Zentrum für unterstützende Pädagogik

Konzept des Zentrums für unterstützende Pädagogik (ZuP)

Ulrike Sander (ZuP-Leiterin)

Grundsätze der Förderung

Das Konzept des ZuP basiert auf einem psychodynamischen Verständnis von Konflikten sowie auf bindungstheoretischen Erkenntnissen zu Bildungs- und Lernprozessen bei Kindern und Jugendlichen (Literatur s.u.). Hierzu gehört, dass Kinder und Jugendliche i.d.R. innere Konflikte nicht verbalisieren, sondern agieren. Sie zeigen auf der Ebene des Verhaltens, im emotionalen, im kommunikativen, im sozialen und/oder im Leistungsbereich, dass „etwas nicht stimmt“. So können auf der Erscheinungsebene gleiche „auffällige Verhaltensweisen“ in der Schule, wie z. B. mangelnde Impulskontrolle, starker innerer Rückzug bis hin zur Schulvermeidung oder auch Leistungsabfall verschiedene Ursachen haben. Für unsere Schülerpopulation sind hier besonders zu nennen:

  • unbearbeitete Konflikte durch Trennungen der Eltern, Ablösungskonflikte von alleinerziehenden Eltern
  • narzisstische bzw. Ich-strukturelle Störungen (Überschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit/Leistungsvermeidung aus nicht zu integrierender Angst vor Versagen),
  • mangelnde Affektmodulation durch Erfahrungen von emotionaler Vernachlässigung oder Überforderung (unabgegrenztes, distanzloses, aggressiv unkontrolliertes Verhalten) sowie
  • emotionale Verunsicherung durch die Erfahrung stark differenter Erziehungsvorstellungen und -haltungen zwischen Schule und Elternhaus.

Besonders in dieser Weise belastete Kinder und Jugendliche benötigen die Schule mit ihren vielfältigen Beziehungsmöglichkeiten als einen Raum der Nachreifung und Unterstützung. Sie müssen Bindungserfahrungen besonders mit Erwachsenen, also Lehrern und Lehrerinnen, machen, die von Verlässlichkeit, Wertschätzung und positiver Autorität geprägt sind. Pädagogisches Handeln bewegt sich dabei im Spannungsfeld zwischen „Halten“ und „Zumuten“, „Annehmen“ und „Herausfordern“, „Empathie“ und „Konfrontation“.

 

Diese Grundgedanken finden sich im pädagogischen Leitbild der Schule wieder:

  • Lernen im Klassenverband in der Mittelstufe
  • Klassenlehrerprinzip in der Mittelstufe
  • Tutorensystem in der Oberstufe
  • Leistungsorientierung
  • Schülerzugewandtheit
  • Methodenvielfalt
  • kritisch-emanzipierte Charakterentwicklung als Bildungsziel

Die fallbezogene Beratungstätigkeit der ZuP-Leiterin:

Je nach Problemlage finden ein bis drei Kriseninterventionsgespräche als Einzelgespräche mit den betroffenen Schülern statt, die parallel diagnostischen Charakter haben (nicht-standardisiertes Erstinterview). In Einzelfällen können weitere Gespräche im wöchentlichen bis 14 tägigem Rhythmus folgen. Die Eltern werden informiert und einbezogen. Außerdem wird ggf. das Rebuz eingeschaltet.

Zeigt sich die innere Problematik des Schülers auf der Ebene von anhaltenden Lernhemmungen und Lernschwierigkeiten oder starkem Leistungsabfall, greift zusätzlich zur ggf. indizierten psychosozialen Unterstützung (s.u.) das Angebot der Lernförderung

(s. Förderkonzept). In Kooperation mit den Eltern und den unterrichtenden Lehrkräften wird die Teilnahme an den verbindlichen Förderkursen eingeleitet, schulinterne Lernhilfe oder private Nachhilfe empfohlen.

Entwickelt sich aus einer komplexen Problemlage schulvermeidendes Verhalten, werden in Kooperation mit den Klassenlehrern/Tutoren die schulinternen und vom Rebuz empfohlenen Interventionen durchgeführt. Mit den Schüler_innen werden i.d.R. zusätzlich Einzelgespräche geführt.

Störungen des Unterrichts oder unangemessenes Sozialverhalten Mitschülern gegenüber wird psychodynamisch gedeutet und pädagogisch beantwortet. Die ZuP-Leiterin berät mit den Klassenlehrkräften über sinnvolle Interventionen. In schweren Fällen finden Einzelgespräche statt. Insbesondere bei Cyber-/Mobbing oder Gewalttätigkeit führt die ZuP- Leiterin Einzel- und Gruppengespräche mit den betreffenden Schülern nach der Methode des Täter-Opferausgleichs (haltend-konfrontative Gesprächsführung, Ziel: Wiedergutmachung). Nach dem pädagogischen Grundsatz von „Verstehen und Strafen“ wird zudem die Ordnungsmaßnahmenverordnung angewendet.

Liegt eine akute Belastungssituation im biographisch psychosozialen Bereich vor, die sich in der Schule auf verschiedene Weise zeigen kann, werden Gespräche mit Schülern und Eltern geführt. Ist eine Psychotherapie indiziert, wird diese angebahnt und in Kooperation mit den Eltern vermittelt. Außerdem werden bei Bedarf Kontakte zu den Institutionen der psychosozialen Versorgung vermittelt (Rebuz, Erziehungsberatungsstellen, Mädchenhaus, Jungenbüro, , Kinderschutzbund u.a.).

In schweren Fällen kann eine psychiatrische stationäre Behandlung im Krankenhaus Bremen Ost indiziert sein. Die ZuP-Leiterin kooperiert fallbezogen mit dem Krankenhaus und der Krankenhausschule.

In den seltenen Fällen von Kindesvernachlässigung oder Kindeswohlgefährdung, wird das Jugendamt informiert bzw. Kontakt hergestellt. Weitere fallbezogenen Kooperationen mit Erziehungs- beiständen oder Bezugsbetreuern, Teilnahme an Fallkonferenzen sowie Kontaktpflege zur Case-Managerin des Jugendamtes Bremen Mitte obliegt der Zup-Leiterin.

Nicht immer lassen sich psychisch und/oder sozial bedingte Problemlagen ursächlich angehen. Mit Hilfe des Szenischen Verstehens und einer Reflexion der Übertragungsbeziehung des Kindes bzw. Jugendlichen zur Lehrkraft kann aber eine pädagogisch sinnvolle Beziehungsgestaltung erarbeitet werden. Aus dieser Perspektive entstehen Veränderungsprozesse auf Seiten des Schülers durch neue Erfahrungen in der Beziehung, in dem Fall zur Lehrkraft. Zudem werden kognitive Prozesse wie Selbstreflexion und Einsicht gefördert. Diese Herangehensweise an verhaltensauffällige Schüler wird zusammen mit den Lehrkräften fallbezogen erarbeitet.

In allen genannten Fällen fungiert die ZuP-Leiterin als Schnittstelle zwischen Schule, Elternhaus und helfender Instanz. Sie berät mit allen Beteiligten über die weitere schulische Entwicklung des Schülers oder der Schülerin und gibt fachlich begründete Empfehlungen.

Die skizzierten Hilfs- und Förderangebote sowie Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen haben zum Ziel, alle unsere Schülerinnen und Schülern in das Schulleben zu integrieren und ihnen je nach individuellen Möglichkeiten eine erfolgreiche Schullaufbahn, die in die allgemeine Hochschulreife mündet, zu ermöglichen.

Diese Zielvorstellung stößt dort an Grenzen, wo soziale und biographische Belastungsfaktoren so massiv und resistent sind, dass die Leistungsfähigkeit trotz aller Unterstützung über einen längeren Zeitraum

nicht in dem Maß entwickelt werden kann, wie sie für das gymnasiale Lernen notwendig ist. Diese Kinder benötigen eine Schule mit geringeren Leistungsanforderungen, um eine sekundäre emotionale Belastung durch ständige Erfahrungen von Versagen und eine dadurch ausgelöste Selbstwertproblematik zu verhindern.

Literatur

Ahrbeck, B.: Kinder brauchen Erziehung. Stuttgart: Kohlhammer, 2004

Ahrbeck, B. (Hrsg.) (2010): „Von allen guten Geistern verlassen.“ Aggressivität in der Adoleszenz. Gießen: Psychosozial-Verlag

Ahrbeck, B., Rauh, B. (2006) (Hrsg.): Der Fall des schwierigen Kindes. Therapie, Diagnostik und schulische Förderung verhaltensgestörter Kinder und Jugendlicher. Weinheim: Beltz

Becker- Stoll, Fabienne: Bindung als Voraussetzung für Bildung. 2006

http://www.ifp.bayern.de/imperia/md/content/stmas/ifp/vortrag_bindung.pdf

Dammasch/Metzger/Teising (Hg.): Männliche Identität. Frankfurt 2009, Brandes und Apsel Dammasch, Frank: Jungen – Das schwache Geschlecht? 2008 http://www.psychoanalyse-

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Freyberg, Thomas von, Wolff, Angelika: Störer und Gestörte – eine Untersuchung von Konfliktgeschichten nicht beschulbarer Jugendlicher. 2006 http://www.psychoanalyse- aktuell.de/Detail.321+M5477c2b770e.0.html?&tx_ttnews[day]=01&tx_ttnews[month]=11&tx_ttnews[year]=2006

Gentner, Cortina, Mertens, Martin (Hrsg.): Null Bock auf Schule? Schulmüdigkeit und Schulverweigerung aus Sicht der Wissenschaft und Praxis. Waxmann Verlag (Münster/New York/Berlin/München) 2006.

Heinemann, E., Rauchfleisch, U., Grüttner, T., Gewalttätige Kinder – Psychoanalyse und Pädagogik in Schule, Heim und Therapie. Frankfurt 1992, Fischer Taschenbuch, Reihe Geist und Psyche, 220 Seiten, 5. Auflage 1995

Heinemann, E., Hopf, H., Psychische Störungen in Kindheit und Jugend. Symptome – Psychodynamik – Fallbeispiele – psychoanalytische Therapie, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2008, 354 Seiten, 3. überarbeitete Auflage

Mertens, Wolfgang: Entwicklung der Psychosexualität und der Geschlechtsidentität. Bd.1 u.2. Kohlhammer, 1997

Nowacki, Katja, Toprak, Ahmet: Gewaltphänomene bei männlichen, muslimischen Jugendlichen mit Migrationshintergrund und Prävention http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Abteilung2/Pdf- Anlagen/gewaltphaenomene-maennliche-muslimischen- jugendliche,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true. pdfsstrategien

Sitzer, Peter, Marth, Julia, Kocik, Caroline: Ergebnisbericht der Online-Studie. Cyberbullying bei Schülerinnen und Schülern. Bielefeld 2012 http://www.uni-bielefeld.de/cyberbullying/downloads/Ergebnisbericht-Cyberbullying.pdf

Ziegler, Holger: Gewaltstudie 2013: Gewalt- und Missachtungserfahrungen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Universität Bielefeld. http://presse.healthcare.bayer.de/html/pdf/presse/de/digitale_pressemappen/Gewaltstudie_2013/03_Abstract_Gewal tstudie_ProfZiegler.pdf

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